Zum fünften Mal folgte Hanna ihrem Herz

Musiker, Sänger und Schauspieler der Dillingen Lebenshilfe begeistern erneut


„Wieder da….als wenn kein Jahr dazwischen war!“ treffender könnte es Jussuf, der Dönerverkäufer mit seinem Lied gar nicht ausdrücken. Sie waren wieder da: „Muscht´Du habba“, die Band der Lebenshilfe Dillingen mit ihrem Musical.“Manchmal…auf dem Marktplatz des Lebens“. Und wieder füllten sie die Halle der Nordschwäbischen Werkstätten bis auf den letzten Platz. Zum fünften Mal präsentierte die Lebenshilfe ihr Musical, das von Michael, einem jungen Mann(Michael Höss), der auf Hilfe angewiesen ist, und seiner Liebe zu der Blumenverkäuferin Hanna (Anja Cutius) erzählt und von all den damit verbundenen Problemen.
Es gibt wohl schon eine kleine Fangemeinde im Publikum, die sich diese liebenswerte Geschichte gerne immer wieder ansieht, denn der ein oder andere Refrain wurde vielstimmig von den begeisterten Besuchern mitgesungen. Das Themalied „Manchmal“ gesungen von Hanna, Michaels „Mir geht s genauso gut wie Dir!“ oder aber auch seine melancholische Ballade an die von ihm verehrte „Hanna“ haben das Potential zum Ohrwurm und laden geradezu ein, mitzusingen.
Wenn Michaels Freund Mike (Michael Hanslbauer), ein junger Mann mit Trisomie 21, besser bekannt als Downsyndrom, dann auf die fetzige Interpretation von „Nacotic“ einen Braekdance auf die Bühne legt und Jussuf (Johann Bertl), der Türke den zweiten Teil des Musical mit seinem lupenreinen „Döner Rap startet, kennt die Begeisterung im Publikum kaum Grenzen mehr.

Großartig auch die Nebenrollen -alle gespielt von Menschen mit Behinderung-, mit ihren kleinen, witzigen Slapsticks. Der Straßenkehrer zum Beispiel, der alles unter den Teppich kehrt, die Alte, die den Jugendlichen die Leviten liest, der Radfahrer, der jedes Mal bei seinem Auftritt mit erhobener Hand das Publikum grüßt oder die Raucherin, die dem Protagonisten die Luft verpestet. Köstlich, wie diese kleinen Nuancen ins Stück eingebaut wurden und mit welchem Witz und Charme die Schauspieler diese auch umsetzen. Und dann ist da auch noch die Erzählerin (Simone Kirner): Wie eine Märchentante sitzt sie in ihrem großen Ohrensessel links neben der Bühne und begleitet das Publikum mit wohl dosierten Erklärungen unaufdringlich, aber sehr hilfreich über diesen Marktplatz auf dem sich Wundersames und zugleich Alltägliches zuträgt.
Schwerstarbeit leistet auf der rechten Seite der Bühne das „Musch´t Du habba Orchester“. Auch das ist mit mehr als der Hälfte der Musiker mit Menschen mit Behinderung besetzt, die in nahezu zweistündigem Dauereinsatz dem Taktstock der Spielleiterin Silvia Hoffmann folgen, die akribisch und konzentriert Bühne, Erzählerin und Orchester durch den Abend dirigiert.
Herzergreifend das Schlussduett von Hanna und Michael, die mit ihrem „Wir leben jetzt in einer Welt“ die Zuschauer von ihren Plätzen holen und stehende Ovationen für einen wundervollen Abend bekommen.
Da wundert es niemanden, wenn im Anschluss ein abgekämpfter musikalischer Leiter Christian Fischer (da selbst als Gitarrist und Sänger im Orchester aktiv!) und ein zufriedener Autor Rolf-Jürgen Lang gut gelaunt und sichtlich stolz auf die ganze Truppe Interessenten, die eigens bis aus dem Schwarzwald angereist waren, bereitwillig Auskunft zu einem möglichen Engagement für das Musical geben.
Chapeau „Musch´t Du habba“, Chapeau Lebenshilfe Dillingen zu diesem Musical.

14.03.2015

 

„Musch`t Du habba“ rockt in Wien
Die Band der Lebenshilfe Dillingen begeistert mit zwei Konzerten in der Österreich-Metropole


250 Wiener drängelten sich an die Bühne im „Schutzhaus Zukunft“ im 15.Bezirk in Wien,
als Conny Türk, der Schlagzeuger von „Musch`t Du habba“, der Lebenshilfeband der Nordschwäbischen Werkstätten Dillingen, die Stecken auf seinen Drums wirbeln lies. Ein Bandmitglied nach dem anderen betrat dann die Bühne, griff nach seinem Instrument und ließ den rockigen Sound immer kräftiger anschwellen. Vom ersten Lied an sprang der Funke auf das Publikum über und ließ den Saal mitgrooven. „Musch`t Du habba“ packten aber auch alle Hits ihrer beiden CDs aus und brachten mit ihren Rockliedern im typisch schwäbischen Dialekt den Saal zum kochen. Die Freude und Begeisterung, die die Dillinger Band ausstrahlte, erfasste das Wiener Publikum so sehr, dass „das Abschlusslied“ von „Musch`t Du habba“ nicht akzeptiert
wurde und noch fünf Zugaben gefordert wurden.

Die beiden Tage Pause bis zum 2. Konzert bei der Lebenshilfe Wien nutzten die Bandmitglieder,
um sich auf die Spuren der Kaiserin Elisabeth zu machen. Schloss Schönbrunn war das erste Ziel.
Es folgte eine ganz besondere Führung für die Dillinger in der Hofburg. Nach dem Besuch des Sissi-Museums ging Karin, die Museumspädagogin in den Kaiserappartements auf alle Fragen und Wünsche der Bandmitglieder ein und gestattete allen, sich für ein Foto auf den Thron der Kaiserin zu setzen. Tränenreich endeten die beiden Sissitage für Kerstin, der Triangelspielerin, am Sarkophag in der Kaisergruft.
Sie wollte nicht wahrhaben, dass Sissi nicht mehr lebt.

Natürlich stattete man auch Herrn Hundertwasser, dem Cafe Hawelka und dem Riesenrad einen Besuch ab.

Als nach dem zweiten Konzert die Heimreise angetreten wurde, wusste die Band „Musch`t Du habba“, dass sie viele neue Fans in Österreichs Hauptstadt zurückgelassen hat. Einige von ihnen haben sich schon für die Premiere des Musicals der Lebenshilfe-Band im März nächsten Jahres in Dillingen angekündigt.